Ist eine Fußbodenheizung empfehlenswert?

Veröffentlicht: 20.09.2012

FußbodenheizungIm Gebäudebestand finden sich in Deutschland überwiegend Konvektionsheizkörper, Flächenheizungen (Wand- und Fußbodenheizungen) führen dagegen noch ein Nischendasein und sind allenfalls in Bädern von Neubauten zu finden. Dementsprechend sind wenig Erfahrungen zu dieser Technologie zu finden, einige verbreitete "Fakten" beruhen zudem noch auf nicht mehr zeitgemäßen Varianten. An dieser Stelle möchte ich deshalb auf einige Aspekte näher eingehen. Die  Betrachtungen beziehen sich vor allem auf die in einem Heizestrich verlegte Warmwasser-Fußbodenheizung, daneben sind noch trocken verlegte Varianten oder elektrisch betriebene Systeme am Markt vorhanden.

Von der Energiebilanz her schneiden Flächenheizungen allgemein besser ab als vergleichbare Radiatorheizungen. Der Grund liegt vor allem darin, dass das verwendete Warmwasser den Wärmeerzeuger mit einer deutlich geringeren Temperatur (die sogenannte "Vorlauftemperatur") verlässt. Diese liegt bei Fußbodenheizungen typischerweise um die 35 °C, bei Radiatorsystemen dagegen je nach System zwischen 60 und 80 °C. Geringere Vorlauftemperaturen führen zu geringeren Wärmeverlusten in Rohrleitungen und Speichern sowie besserem Regelverhalten in Kesseln und Thermostaten und sind energetisch immer vorteilhaft. Dazu kommt, dass die Wärme überwiegend durch Strahlung direkt von der Heizfläche auf den Menschen übertragen wird. Die Luftmenge im Raum muss daher nicht in ihrer Gesamtheit aufgewärmt werden, um ein Wärmeempfinden zu erzeugen, es können dadurch sogar geringere Raumtemperaturen ohne Komfort-Einbußen realisiert werden.

Die erreichte Behaglichkeit ist in erster Linie vom Nutzer abhängig und kann deshalb auch nicht zu 100 Prozent prognostiziert werden. Im Allgemeinen werden warme Flächen im Raum jedoch als angenehm empfunden, da dann der menschliche Körper keine Wärme an sie abstrahlt. Umgekehrt führen kalte Flächen zu einem ständigen Kälteempfinden, selbst wenn die Lufttemperatur im Raum ausreichend hoch ist. Jeder, der in der kalten Jahreszeit schon einmal ein Restaurant in einer alten Burg besucht hat, wird das bestätigen können. Die positive Empfindung einer warmen Fläche ist natürlich nur bis zu einer gewissen Temperatur gegeben (in der Regel um die 40 °C) gegeben, Temperaturen darüber werden zunehmend als unangenehm empfunden. Moderne Systeme arbeiten unter dieser Grenze, ältere Heizungen nutzten Vorlauftemperaturen bis 55 °C und konnten deshalb zu heißen Füßen, Krampfadern und unbehaglichen Räumen führen.

Der von Allergikern oft gebrachte Einwand, durch eine Fußbodenheizung würde mehr Staub aufgewirbelt, ist nicht begründet, da eine Staubaufwirbelung ja immer mit einer Luftbewegung im Raum verbunden ist. Eine "gewöhnliche" Radiatorheizung funktioniert nach folgendem Prinzip: Luft wird am Heizkörper erwärmt, steigt auf bis unter die Decke, bewegt sich dort horizontal, kühlt ab, sinkt wieder herab usw. (die sogenannte "Raumwalze"). Bei einer Flächenheizung ist diese Luftbewegung jedoch nicht in dem Maße gegeben, da die Wärmeabgabe überwiegend durch Strahlung von Körper zu Körper stattfindet, die Raumluft bleibt davon größtenteils unbewegt. Allergische Reaktionen nach Einbau einer solchen Heizung lassen sich wahrscheinlich eher auf Ausdünstungen aus ungeeigneten Fußbodenbelägen, Klebern oder Heizestrichen zurückführen.

Hinsichtlich der Kosten sind Fußbodenheizungen neutral zu sehen. Beim Neubau liegen die Investitionskosten gleich mit denen einer Radiatorheizung oder sogar etwas darunter (vergleiche hier). Bei der Sanierung sind diese abhängig von der vorhandenen Bausubstanz und Anlagentechnik, die Wirtschaftlichkeit muss hier im Einzelfall im Rahmen einer Energieberatung kalkuliert werden.

Nicht verschwiegen werden sollen an dieser Stelle auch einige Nachteile bzw. Einschränkungen, die Flächenheizungen gegenüber Radiatorheizungen mit sich bringen:

  • längere Regelungszeiten der Temperatur in den Räumen
  • höherer, schwererer und komplexerer Fußbodenaufbau notwendig
  • aufwändige Reparatur bei Defekten an den Rohrleitungen
  • nicht jeder Fußbodenbelag ist geeignet, auf Wärmedurchgangswert ist zu achten
  • Heizflächen (Fußboden, bei Wandheizungen die Wände) sind für gute Wärmeabgabe weitgehend frei zu halten (dafür entfallen allerdings auch Stellflächen für Heizkörper)

Aufgrund der genannten Fakten empfehle ich dein Einbau von Flächenheizungen (Wand oder Fußboden) anstelle einer Radiatorheizung beim Neubau uneingeschänkt. Auf diese Weise können Heizenergie gespart, Betriebskosten gesenkt und höhere Behaglichkeit erreicht werden, ohne zusätzliche Investitionskosten zu verursachen. Bei Sanierungen muss im Einzelfall abgewogen werden, ob der entstehende Mehraufwand getätigt werden soll und die gegebene bauliche Situation geeignet ist, um das Heizungssystem zu wechseln.

Bildquelle: Heike Hering  / pixelio.de