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Strom vom eigenen Dach mit Nachbarn teilen – was ab Juni 2026 möglich ist

Veröffentlicht: 09.06.2026

Seit dem 1. Juni 2026 dürfen Eigentümer von Photovoltaikanlagen ihren selbst erzeugten Solarstrom über das öffentliche Stromnetz mit anderen teilen – auch mit Nachbarn in einem ganz anderen Gebäude. Energy Sharing heißt das Konzept, und es klingt verlockend, gerade für Eigentümer größerer Mehrfamilienhäuser oder WEGs, die ihre PV-Anlage für möglichst viele Bewohner nutzbar machen wollen. Ein nüchterner Blick lohnt sich aber.

Der Kerngedanke: Eine PV-Anlage auf dem Dach von Gebäude A versorgt auch die Bewohner von Gebäude B und C mit günstigem Solarstrom. Bisherige Modelle waren strikt auf ein einzelnes Gebäude beschränkt. Energy Sharing überwindet diese Grenze, indem der Strom über das öffentliche Netz fließt und trotzdem einem konkreten Erzeuger und Abnehmer zugeordnet wird – ohne Vollversorgerpflicht, ohne Energieversorger-Status.

In der Praxis stößt das Modell aber noch auf erhebliche Hindernisse. Alle beteiligten Erzeuger und Abnehmer brauchen intelligente Messsysteme (Smart Meter). Diese sind bei Energy Sharing über mehrere Gebäude mit unterschiedlichen Eigentümern und Mietern verteilt – und hier liegt das Problem: Mit einer bundesweiten Abdeckung von rund 5,5 Prozent Ende 2025 kann man schlicht nicht beginnen, weil die Voraussetzungen bei den Abnehmern in den Nachbargebäuden in den meisten Fällen fehlen und man sie selbst nicht herbeiführen kann. Hinzu kommt, dass viele Netzbetreiber die technische Umsetzung intern noch nicht abgeschlossen haben. Ein flächendeckend nutzbares Angebot ist realistisch erst ab etwa 2029 zu erwarten. Dazu kommt: Energy Sharing kennt keine staatliche Förderung. Geteilter Strom trägt volle Netzentgelte, Umlagen und Steuern. Für 2026 gilt daher: Energy Sharing ist eine interessante Perspektive für die zweite Hälfte des Jahrzehnts – kein sofort verfügbares Werkzeug. Für WEGs und private Vermieter stehen jedoch alternativ bereits zwei ausgereifte Modelle zur Verfügung.

Das klassische Mieterstrommodell funktioniert seit 2017: PV-Strom vom Dach versorgt die Bewohner direkt, ohne Umweg über das öffentliche Netz. Der Betreiber übernimmt die Vollversorgung – Solarstrom und Reststrom aus einer Hand – und erhält dafür einen gesetzlich garantierten Mieterstromzuschlag von rund 1,6 bis 2,6 Cent pro Kilowattstunde über zwanzig Jahre. Der Haken: Wer Mieterstrom anbietet, tritt als Energieversorger auf, mit monatlicher Abrechnung und allen energiewirtschaftlichen Pflichten. In der Praxis funktioniert das am besten mit einem professionellen Contractor, der die gesamte Abwicklung übernimmt. Für große Mehrfamilienhäuser ab etwa zwanzig Einheiten ist das ein bewährter Weg. Für die kleine WEG mit sechs oder acht Wohnungen ist es oft überdimensioniert.

Das Solarpaket I hat im Mai 2024 mit der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (GGV) eine schlankere Alternative eingeführt. Auch hier fließt PV-Strom direkt zu den Bewohnern im selben Gebäude – aber der Betreiber liefert nur den Solaranteil. Den Rest deckt jeder Bewohner selbst über einen frei gewählten Versorger. Vollversorgerpflicht und Energieversorger-Status entfallen damit. Auch die GGV setzt Smart Meter voraus. Anders als beim Energy Sharing kann der Eigentümer oder die WEG diese aber im eigenen Gebäude aktiv beauftragen und einbauen lassen – ein überschaubares, selbst steuerbares Vorhaben. Die GGV ist ohne staatliche Förderung konzipiert; überschüssiger Strom wird normal nach EEG vergütet.

Für die meisten WEGs und privaten Vermieter ist die GGV heute der richtige Einstieg: wenig Aufwand, kein Energieversorger-Status, auch für kleine Gemeinschaften geeignet. Wer eine große Anlage mit professioneller Verwaltung betreibt, kommt mit dem klassischen Mieterstrom über einen erfahrenen Contractor gut ans Ziel. Energy Sharing ergänzt dieses Bild mittelfristig – vor allem für Eigentümer mit mehreren Gebäuden, die Überschüsse gebäudeübergreifend weitergeben wollen. Mieterstrom und GGV schließen Energy Sharing dabei nicht aus: Wer heute mit einem der beiden Modelle startet, kann Energy Sharing als Ergänzung dazunehmen, sobald die Infrastruktur es erlaubt.

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